|
Montag, den 16. Mai 2011 um 08:56 Uhr |
Trinkmilch-Kontrakte Der Kampf der Molkereien
Bei den jüngsten Preisabschlüssen für Produkte der Weißen Linie (Trinkmilch, Quark, Sahne) haben sich die Molkereien offenbar einen erbitterten Kampf geliefert - sowohl mit dem Lebensmitteleinzelhandel als auch untereinander.
"Die Molkereien stehen in einem harten Wettbewerb, wenn sie versuchen, Preiserhöhungen durchzusetzen", schreibt Dr. Theo Göbbel von der Landwirtschaftskammer NRW im aktuellen Wochenblatt Westfalen-Lippe. Der Lebensmitteleinzelhandel würde auf höhere Preisforderungen mit "Lagerverschiebungen", zwischen den Molkereien reagieren. Das heißt, Molkereien, die höhere Preise durchsetzen wollten, werden ausgelistet, um sie "zu disziplinieren und abzustrafen", so Dr. Göbbel.
Aber auch unter den Molkereien rumort es: "Der Handel kann immer noch seine Verhandlungsstärke gegenüber einer großen Zahl von Anbietern ausspielen. Teilweise müssen einzelne Molkereien zudem ihre Überkapazitäten günstig auf den Markt bringen, weil eine Verwertungsalternative fehlt", sagte ein Mitarbeiter des Deutschen Milchkontors (DMK) gegenüber top agrar.
Trotz des Preiszuschlags von 4 Cent/l bei den neuen Kontrakten bringt Trinklmilch nach Einschätzung von Dr. Göbbel derzeit nur 32 bis 33 Cent/l und hinkt damit den anderen Verwertungen wie zum Beispiel Käse mit 35 Cent/l weiter hinterher.
Die Milchpreis-Entwicklung der zweiten Jahreshälfte ist aber auch von der Milchanlieferung und dem Export von Käse, Milchpulver und Butter, da der Konsum am Binnenmarkt stagniert.
Anfang Mai lag die Milchanlieferung 1,6% über Vorjahresniveau und stand kurz vor dem saisonalen Höhepunkt. Von der anhaltenden Trockenheit im Norden und Westen Deutschlands war noch nichts zu spüren. "Erfahrungsgemäß machen sich knappe Futtervorräte bzw. schlechte Qualitäten aber oft erst im darauffolgenden Winter bemerkbar", berichtet Monika Wohlfarth von der ZMB gegenüber top agrar.
Die Exportaussichten für die nächsten Monate sind zwar insgesamt positiv. Allerdings hat sich die Nachfrage momentan etwas abgeschwächt: Bei Käse fragt vor allem das Zugpferd Russland weniger nach. Grund hierfür sind die relativ hohen Preise, volle Läger in Russland und billigeres Angebot aus Weißrussland. Bei Milchpulver und Butter erschwert der schwache Dollar und starke Euro den Export. Zudem drücken die USA mehr Milchpulver auf den Weltmarkt.
Quelle: top agrar online vom 16.05.2011
|