21.09.2017
Hinweise zur beginnenden Silomaisernte

Nachfolgend ein paar Hinweise vom Umweltamt des Landkreises Vechta zur beginnenden Silomaisernte:

 

Aus aktuellem Anlass möchte ich Ihnen einige Anregungen zur beginnenden Silomaisernte geben. Da insbesondere im Südkreis Vechta durch den Sturm am 13. September etliche Maisbestände tlw. oder sogar ganz ins Lager gingen, werden voraussichtlich einige Landwirte ihre Siloimaisernte auf den entsprechenden Flächen nicht mehr lange herauszögern und somit Silagen mit tendenziell niedrigeren Trockensubstanz-Gehalten erzeugen als im vergangenen Jahr.

Abb. 1. Vom Sturmtief „Sebastian“ am 13.09. stark geschädigter Maisbestand (Südkreis Vechta)

Die Silagen aus dem letzten Jahr waren durch den „goldenen September“ insgesamt außergewöhnlich trocken. Viele Silagen erreichten TS-Gehalte zwischen 35 % und 40 % und somit konnten auch  bei sehr hohen Stappelhöhen keine Silagesaftaustritte  beobachtet werden.

Da in diesem Jahr auf Grund der bisherigen, kühl-feuchten Witterung und den Sturmschäden davon auszugehen ist, dass einige Flächen auch unterhalb von 28 % Trockensubustanz (Beginn Silagesaftaustritt bei Silomais) abgeerntet werden, steigt somit auch die Silagesaftmenge entsprechend an.

Gelangen Silagesäfte ins Grundwasser oder in Oberflächengewässer können große Schäden entstehen!

 

Warum sind die Silagesäfte so gefährlich für das Ökosystem?

 

  • Silagesaft enthält einen hohen Anteil an organischen Stoffen. Silagesaft enthält nach Untersuchungen 100 bis 350 mal mehr sauerstoffzehrende Verbindungen als Hausabwässer. Beim Abbau der organischen Stoffe wird außergewöhnlich viel Sauerstoff verbraucht. Ein Maß hierfür ist der biochemische Sauerstoffbedarf (BSB-Wert). Anhaltender Sauerstoffmangel kann letztlich das Absterben organischer Masse (tierisch/pflanzlich) bewirken und somit zur Faulschlammproduktion führen. Dieser Vorgang ist auch als  Eutrophierung von Gewässern bekannt!

 

  • Silagesäfte enthalten zudem unangenehme Geruchs- und Geschmacksstoffe, die Trinkwasser ungenießbar machen.

 

  • Mit dem Ansteigen von Temperatur und pH-Wert bildet sich im Gewässer aus Ammonium (NH4+) Ammoniak (NH3-). Ammoniak ist bereits in geringen Konzentrationnen für Fischbrut und manche Fischarten stark giftig oder sogar tödlich.

 

  • Gelangen Silagesäfte aufgrund fehlender Sorptionskräfte der Böden in tiefere Bodenschichten/Grundwasser kann es zu einer Veränderung der Grundwasserbeschaffenheit kommen. Durch den niedrigen ph-Wert der Silagesäfte und dem Sauerstoffentzug kann es zu einer Mobilisierung u. a. von Eisen, Arsen und Schwermetallen kommen!

 

Was kann der Landwirt tun?

 

Silagesaftaustritte minimieren! Was nicht anfällt, kann auch keine Probleme verursachen!

Es empfiehlt sich bei der Silobefüllung die Flächen mit den  höchsten TS-Gehalten zuerst zu häckseln. Flächen mit den niedrigsten TS-Gehalten sollten immer über den trockeneren Mais einsiliert werden. Erst so wird gewährleistet, das ein Teil des Silagesaftes von den trockeneren Schichten „aufgefangen“ wird. Sollte es dennoch zum Silagesaftaustritt kommen, sind die Säfte unbedingt ordnungsgemäß aufzufangen. Die Sammelgruben sind vorab zu leern und nach dem Silieren regelmäßig zu kontrollieren. 

Für saubere Anschnitt- und Silageflächen sorgen (Win-Win-Effekt für Landwirt und Natur)!

Neben dem Silagesaftaustritt können auch bei der ständigen Entnahme von Silage Gefahren durch Verunreinigungen entstehen. Silagereste vor dem Futterstock oder auf der Silageplatte können mit Niederschlägen oftmals  in Gewässer gelangen und so zu den bereits geschilderten negativen Beeinträchtigungen führen. Eine saubere Anschnittfläche reduziert zudem nachweislich die ungewünschte Nacherwärmung der Silage. Abfallende Silage beim Transportieren zum  Futtermischwagen oder zu Annahmebehältern sowie Brökelverluste beim jeweiligen Befüllen kosten, wenn sie nicht nachgefegt  und somit nicht im „Futtertrog“ landen, jedem Landwirten letztlich auch „bares Geld“.

 

Abb. 2: Sehr exakt  angeschnittener  Maissilo (ca. 5 m hoch, Ernte 2015)