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Pessimismus bei Schweinehaltern
Voller Saal bei Informationsveranstaltung über Tierschutzplan und Maskenänderung

Vechta, 20.09.2011 - Die derzeitige Situation der Schweinehalter ist kritisch; das zeigte auch der Besucherandrang bei der Informationsveranstaltung für den Schweine-Sektor in Hausstette.

Mehr als 240 Landwirte/innen folgten der Einladung des Kreislandvolkverbandes Vechta, der Ringgemeinschaft Vechta sowie der Landwirtschaftskammer Niedersachsen-Bezirksstelle Oldenburg Süd zu einer Informationsveranstaltung für Schweinehalter. Inhaltlich ging es in dieser Veranstaltung  um die neuen Abrechnungsmasken der Schlachthöfe, den Preisnotierungen sowie um den Tierschutzplan Niedersachsen.

Unter dem Motto "Neue Maske-Neues Spiel!" referierte Dr. Albert Hortmann-Scholten von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen zunächst über die geplanten Maskenänderungen zum 04. Oktober 2011. Diese werden notwendig, weil sich sowohl für die Klassifizierung der Schlachtkörper nach AutoFOM als auch nach FOM die Schätzformel ändert. Nachdem die Firma Westfleisch ihre zukünftige Abrechnungsmaske bereits im August vorgestellt hat, veröffentlichte am vergngenen Freitag die Firma Tönnies ihre zukünftige Abrechnungsmaske. Weitere Firmen haben für die laufende Woche die Veröffentlichung ihrer zukünftigen Abrechnungsmaske angekündigt.

Aus Sicht von Dr. Hortmann-Scholten ist ein Ende des Trends zum steignden Schlachtgewicht in Sicht. Das optimale Schlachtgewicht dürfte zukünftig auf 92 bis 95 Kilogramm sinken. Es sei zu erwarten, dass die "Masken- und Formelumstellung einen hohen Fleischanteil, ausgeprägte Schinken und fleischreiche, magere Bäuche belohnen wird", so Hortmann-Scholten.

Rechnen bislang alle Schlachtunternehmen mit ein und derselben Abrechnungsmaske bei der Anwendung von AutoFOM ab, so wird sich dieses ab dem 04. Oktober 2011 ändern. Es deutet sich an, dass sich die Schlachtunternehmen nicht auf eine Abrechnungsmaske verständigen, sondern jedes Unternehmen eine separate Abrechnungsmaske verwenden wird. Dieses birgt für den Landwirt eine weitere Unsicherheit bei der Vermarktung seiner Tiere. Es wird immer schwieriger das Abrechnungsverhalten der Schlachthöfe nachzuvollziehen,

Bei den Schlachtunternehmen steht jedoch die Konzentration von Produktionskapazitäten durch Übernahmen oder Fusionen im Vordergrund.

In diesem  Zusammenhang verweist Dr. Hortmann-Scholten auf die IQ-Agrarservice GmbH, mit deren Internetplattform www.schlachtdaten-online.de ein Tool für die Landwirte geschaffen worden ist, wo die Schlachtdaten überprüft werden können.

Im Anschluss daran stellte Dr. Hortmann-Scholten die Ferkelpreisnotierung der Kammern Nord-West sowie den VEZG-Schlachtschweinepreis vor. Er verdeutlicht noch einmal die derzeit ruinösen Ferkelpreise. Unter Berücksichtigung der hohen Futter- und Energiepreise müsste ein Ferkelerzeuger bei einer Vollkostenrechnung derzeit ca. 70,- Euro pro Ferkel erzielen. Der tatsächliche Preis liegt jedoch bei 35,- Euro. Auch der Schlachtschweinepreis entwickelt sich in diesem Jahr nicht, wie es angesichts der Futter- und Energiepreise notwendig wäre. Vorsichtig optimistisch zeigt sich Dr. Hortmann-Scholten jedoch im Hinblick auf die Entwicklung der Erzeugerpreise für das kommende Jahr. Er erwartet sowohl auf dem Ferkel- als auch auf dem Schlachtschweinemarkt ein Anziehen der Preise.

Im Anschluss daran stellte Dr. Heiko Janssen von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen die derzeitige Diskussion bezüglich des Tierschutzplans Niedersachsen vor. In diesem Plan wurden neben den einzelnen Tierbereichen auch der Tiertransport und der Arzneimitteleinsatz explizit als separate Themenpunkte aufgenommen.

Die eingesetzte "Arbeitsgruppe Schwein" hat sich dabei insbesondere mit dem Thema "Kupieren der Schwänze - Maßnahmen zur Verhinderung von Schwanzbeißen und Kannibalismus" zu beschäftigen. Dabei gibt der Tierschutzplan vor, dass ein Konzept noch 2011 vorgestellt werden soll. Die Erprobung in Pilotbetrieben soll im Jahr 2012 und die Umsetzung ab 2016 beginnen. "Die strengen Zielvorgaen und der immense Zeitdruck der Arbeitsgruppen ist jedoch unglücklich für die Arbeit in solch einer Gruppe" betont Dr. Janssen, selber Mitglied in der Arbeitsgruppe Schwein.

Die Landwirtschaft ist bereit, nicht nur bei diesem Thema, sondern insgesamt an den verschiedenen Themen des Tierschutzplanes aktiv mitzuwirken. Die anvisierten Ziele dürfen jedch nicht "blind" und um jeden Preis umgesetzt werden, sondern müssen umfangreich auf ihre Sinnhaftigkeit überprüft werden. Die Landwirte sind bereit, bei der Untersuchung der Ziele auf ihre Machbarkeit mitzuwirken und Pilotbetriebe praxisnah arbeiten und wissenschaftlich begleitet werden.

Norbert Meyer und Dirk Frahne fordern hier nachdrücklich die von Seiten des Ministeriums zugesagte ergebnisoffene Diskussion ein.

Im Anschluss an den Vortrag von Dr. Heiko Janssen ging Dr. Detlev Dierkes neuer Leiter des Amts für Veterinärwesen und Lebensmittelüberwachung des Landkreises Vechta, auf die rechtliche Seite sowie auf die gezielte Umsetzung der tierschutzrechtlichen Vorgaben durch die Landwirte ein. Er erläuterte in diesem Zusammenhang unter anderem die Entstehung und den Inhalt der vom Ministerium herausgegebenen Merkblätter, insbesondere zum Verzicht auf das routinemäßige Schwänzekupieren bei Schweinen. Die Merkblätter stellen die derzeit geltende Rechtslage dar und geben letztendlich Hinweise darauf, wie der Landwirt die bereits heute geltenden gesetzlichen Vorgaben einhält. Er weist aber auch darauf hin, dass der Tierschutzplan keine rechtliche Bindung hat. Inhaltlich überschneiden sich die dortigen Themen zwar teilweise mit bereits geltendem Recht, der Tierschutzplan möchte jedoch ein "Mehr" zur bestehenden Rechtslage erreichen. Es handelt sich hierbei allerdings um Ziele für die Zukunft.

Dirk Frahne, Vorsitzender der Ringgemeinschaft Vechta, und Norbert Meyer, Vorsitzender des Kreislandvolkverbandes Vechta, betonen erneut, dass die Landwirte einer Fortentwicklung des Tierschutzrechtes immer aufgeschlossen gegenüber stehen. Sie fordern aber vehement, dass es nicht zu einer Insellösung in Niedersachsen oder auch Deutschlands kommen darf. Eine einseitige Verschärfung der Tierschutzanforderungen ausschließlich in Niedersachsen würde zu einem nicht ausgleichbarem wirtschaftlichen Nachteil der Landwirtschaft und damit der gesamten Agrar- und Ernährungsbranche in Niedersachsen führen. Es muss in jedem Fall eine europaweite Lösung und Umsetzung erfolgen. Nur so kann die Landwirtschaft hier wettbewerbsfähig bleiben und nur so kann auch der Tierschutz-Gedanke tatsächlich umgesetzt werden. Es nutzt auch dem Tierschutz nichts, wenn die landwirtschaftliche Produktion, die bei uns in Folge zu hoher Tierschutz-Anforderungen und damit verbunden mangelnder Wettbewerbsfähigkeit zurückgeht, ins Ausland verlagert wird.


Bildergalerie:

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Bericht aus der Land & Forst
Bericht auf der Homepage des Landesbauernverbandes Niedersachsen